Donnerstag, 19.09.2019

11:00 - 12:30

R110

S19-07

Arbeit im Wandel

Moderation: S. Strumpen, Berlin

11:00
Silver Worker – Warum sind sie zufriedener als die Erwerbsbevölkerung und RentnerInnen?
S19-07-01 

R. Gerlich; Zürich/CH

Mit den Daten der größten deutschen Haushaltsbefragung (SOEP) lässt sich zeigen, dass Personen, die über ihr reguläres Renteneintrittsalter hinaus in Vollzeit arbeiten (Silver Worker), signifikant zufriedener sind als Vollzeitarbeitende im regulären erwerbsfähigen Alter sowie RentnerInnen ohne Erwerbstätigkeit. Dies gilt u.a. für die Zufriedenheit mit dem Einkommen und der Gesundheit sowie für das „Dachkonstrukt“ Lebenszufriedenheit.

Wenngleich Silver Worker insgesamt höhere Werte in meisten Zufriedenheitsdimensionen aufweisen, so kann kaum davon ausgegangen werden, dass Silver Working pauschal zufriedener macht. Vielmehr handelt es sich um einen Effekt der Selbstselektion: Ältere Personen, die in bestimmten Bereichen ihres Lebens zufriedener sind, sind auch eher bereit, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus weiterhin Vollzeit zu arbeiten.

11:20
Der Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Determinanten und der Freiwilligkeit von Rentenübergängen – Eine Analyse mit Daten des Deutschen Alterssurveys
S19-07-02 

P. Stiemke, M. Heß; Dortmund, Bremen

Fragestellung: Die demografische Alterung stellt die (Alters-) Sicherungssysteme langfristig vor große finanzielle Herausforderungen. Um diesen Herausforderungen aktiv zu begegnen, wurden verschiedene Reformen implementiert, die auf eine Verlängerung des Erwerbslebens abzielen (z. B. die Erhöhung des Renteneintrittsalters oder die Abschaffung von Frühverrentungsmöglichkeiten). Nun stellt sich die Frage, ob alle älteren Arbeitnehmer*innen die nötigen Ressourcen besitzen, um spätere in Rente gehen zu können. Im vorliegenden Beitrag wird daher die Bedeutung sozioökonomischer Determinanten auf den Rentenübergang in Deutschland analysiert: Für zwei unterschiedliche Renteneintrittskohorten wird untersucht, welchen Einfluss Bildung und Einkommen auf eine freiwillige bzw. unfreiwillige Verrentung haben und ob sich Hinweise auf zunehmende soziale Ungleichheit finden lassen.

Methodik: Daten der fünften Welle des Deutscher Alterssurvey (DEAS) werden verwendet, um die Freiwilligkeit von Rentenübergängen in zwei Renteneintrittskohorten (1999-2006 und 2007-2014) zu untersuchen. Hierfür werden logistische Regressionen genutzt. Abhängige Variable ist die Freiwilligkeit des Rentenübergangs. Als Variablen, die den sozioökonomischen Einfluss auf die abhängige Variable erklären sollen, dienen Bildung und Einkommen der Befragten.

Ergebnisse: Die Untersuchung von Rentenübergängen hat gezeigt, dass sich mit steigendem Einkommen und hoher Bildung die Chance erhöht, einen freiwilligen Rentenübergang zu erfahren. Dieser Effekt wurde nur für die jüngere untersuchte Renteneintrittskohorte nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren für den Rentenübergang zunimmt.

Zusammenfassung: Niedrige Bildung und geringes Einkommen erhöhen zudem in Deutschland die Chance auf einen als unfreiwillig empfundenen Rentenübergang. Politische Entscheidungsträger*innen, Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten diese vulnerable Gruppe besonders berücksichtigen, um wachsender sozialer Ungleichheit in der späten Erwerbsphase und im Rentenübergang entgegenzuwirken.

11:40
Gründungsaktivitäten im dritten Lebensalter aus der Lebenslaufperspektive – ein Vergleich zwischen Deutschland und Polen
S19-07-03 

J. Myrczik, J. Stypinska, A. Franke; Berlin, Ludwigsburg

Zum Thema Gründungsaktivitäten im Alter besteht für Deutschland nach wie vor ein Defizit in Bezug auf grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Phänomen. Auch mangelt es an Studien, die dabei den Fokus explizit auf die Lebenslaufperspektive legen. Die unternehmerischen Motivationen und Aktivitäten älterer Erwachsener können dahingehend als ein Ergebnis einer dynamischen und wechselseitigen Beziehung zwischen ihren persönlichen und beruflichen Lebenswegen einerseits und gesellschaftlichen, normativen und strukturellen Rückmeldungen von institutionellen (formalen und informellen) Akteuren andererseits betrachtet werden.

Das Forschungsprojekt „MOMENT. Making of Mature Entrepreneurs – Die Formierung der reifen Gründerperson" (Laufzeit: 01/2017-03/2021; gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) möchte im Kern der Frage nachgehen, inwiefern individuelle und institutionelle Rahmenbedingungen Gründungsaktivitäten im Alter beeinflussen und formen. Dabei werden explorativ sowohl Übergänge und Verläufe in der Vergangenheit als auch Zukunftsperspektiven analysiert. Als theoretische Basis bietet das Lebenslaufkonzept die Möglichkeit, Fragen nach zentralen Unterschieden von älteren und jüngeren Gründerinnen und Gründern bezogen auf Lebenserfahrung und akkumulierte soziale und materielle Ressourcen nachzugehen, Veränderungen von modernen Lebensläufen und die Verknüpfung von beruflichen und privaten Biografien zu eruieren.

In dem Vortrag werden Befunde aus qualitativen Interviews mit älteren Gründerpersonen 45+ aus Deutschland (N=48) und Polen (N=20) in vergleichender Perspektive vorgestellt. Beide Länder repräsentieren unterschiedliche politische Ansätze zur Förderung von (späten) Gründungsaktivitäten und illustrieren zudem verschiedene normative Vorstellungen von Älteren am Arbeitsplatz im Allgemeinen und älteren Gründerpersonen im Besonderen.

Die Befunde verweisen auf reflexive Schlüsselmomente, Motive, Übergänge und Verläufe von Gründungen im Alter. Die Praxis einer Existenzgründung einerseits und der gesellschaftliche und politische Diskurs um alternative Formen der Altersproduktivität andererseits werden dabei mit Blick auf Chancen und kritische Aspekte und Fragen der (De-)Institutionalisierung gegenübergestellt. Zudem verweisen die Ergebnisse aus den Interviews auf die Bedeutung (geschlechtsspezifischer) Rollenvorbilder und die soziale Einbettung der Gründungsaktivitäten (familiär, politisch, wirtschaftlich).

12:00
Gründungsaktivitäten im dritten Lebensalter aus Sicht der Lebenslaufforschung: Befunde aus West- und Ostdeutschland
S19-07-04 

J. Myrczik, A. Franke, J. Stypinska; Berlin, Ludwigsburg

Zum Thema Gründungsaktivitäten im Alter existiert mittlerweile eine Reihe von Forschungsarbeiten. Allerdings besteht für Deutschland nach wie vor ein Defizit in Bezug auf grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Phänomen. Auch mangelt es an Studien, die dabei den Fokus explizit auf eines der dynamischsten Konzepte der Soziologie legen – die Lebenslaufperspektive. Die unternehmerischen Motivationen und Aktivitäten älterer Erwachsener können dahingehend als ein Ergebnis einer dynamischen und wechselseitigen Beziehung zwischen ihren persönlichen und beruflichen Lebenswegen einerseits und gesellschaftlichen, normativen und strukturellen Rückmeldungen von institutionellen (formalen und informellen) Akteuren andererseits betrachtet werden.

Das Forschungsprojekt „MOMENT. Making of Mature Entrepreneurs – Die Formierung der reifen Gründerperson" (Laufzeit: 01/2017-03/2021; gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) möchte im Kern der Frage nachgehen, inwiefern individuelle und institutionelle Rahmenbedingungen Gründungsaktivitäten im Alter beeinflussen und formen. Dabei werden explorativ sowohl Übergänge und Verläufe in der Vergangenheit als auch Zukunftsperspektiven analysiert.

In dem Vortrag werden Befunde aus qualitativen Interviews mit älteren Gründerpersonen 45+ aus Deutschland (N=48) vorgestellt. Die Befunde verweisen auf reflexive Schlüsselmomente, Motive, Übergänge und Verläufe von Gründungen im Alter. Die Praxis einer Existenzgründung einerseits und der gesellschaftliche und politische Diskurs um alternative Formen der Altersproduktivität andererseits werden dabei mit Blick auf Chancen und kritische Aspekte und Fragen der (De-)Institutionalisierung gegenübergestellt. Zudem verweisen die Ergebnisse aus den Interviews auf die Bedeutung (geschlechtsspezifischer) Rollenvorbilder und die soziale Einbettung der Gründungsaktivitäten (familiär, politisch, wirtschaftlich).

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