Freitag, 20.09.2019

14:15 - 15:45

R110

S20-15

Digitalisierung und Teilhabe

Moderation: S. Strumpen, Berlin

14:15
Internetnutzung im Alter: Autonomie oder sozialer Druck?
S20-15-01 

A. Seifert; Zürich/CH

Das Internet bietet seinen Nutzern Zugang zu einer Vielzahl von Informationen und Online-Diensten. Für die Nutzung von Online-Diensten sind jedoch der Internetzugang, technisches Wissen und die Bereitschaft zur Nutzung von Technologien erforderlich. Menschen können jedoch auch neue Formen der sozialen Ausgrenzung erleben, wenn sie in der heutigen digital dominierten Gesellschaft nicht „aktiv sind“. Ältere Erwachsene könnten besonders von digitaler Ausgrenzung bedroht sein, da hier z.B. die Internet- und Smartphone-Nutzung geringer ist als in der Gesamtbevölkerung. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, ob und inwieweit eine solche digitale Ausgrenzung in der älteren Bevölkerung wahrgenommen wird. Ziel war es daher, zu untersuchen, ob ältere Menschen das Internet als Ressource für Autonomie und/oder als Quelle von sozialem Druck erleben.

Eine sekundäre Datenanalyse wurde mit Hilfe von vier Umfragen aus der Schweiz durchgeführt: (1) "Digitale Senioren" (2015, CATI, N = 1037, Durchschnittsalter: 75), (2) "ICT@ageCARE" (2016, Paper Pencil, N = 1857, Durchschnittsalter: 88), (3) "Wellbeing+Internet" (2018, CAWI, N = 661, Durchschnittsalter: 67) und (4) "UZH3digital" (2018, Paper Pencil, N = 800, Durchschnittsalter: 70).

Die Ergebnisse zeigten, dass viele Probanden das Internet als Ressource für ihr tägliches Leben nutzen. Eine Gruppe berichtete jedoch auch, dass sie unter einem gewissen sozialen Druck stand, das Internet zu nutzen. In der ersten Umfrage stimmten 43% der folgenden Aussage zu: "Das Internet gibt mir die Möglichkeit, in meinem Alter selbstständig zu leben". Die erste, dritte und vierte Umfrage zeigten, dass sich durchschnittlich 14% der Probanden, die das Internet nicht nutzen, sozial ausgegrenzt fühlten, da sie das Internet nicht nutzen.

Es lässt sich erkennen, dass die Internetnutzung das Potenzial hat, die Autonomie älterer Menschen zu verbessern, aber auch Gefühle der digitalen Ausgrenzung hervorrufen kann. Daher sollte sich die Gerontologie kritisch mit den Auswirkungen der Digitalisierung befassen.

14:35
Digitale Teilhabe im Alter - Entwicklung des Gender Gaps bei der Internetnutzung von älteren Menschen in Deutschland
S20-15-02 

P. Enste; Gelsenkirchen

Digitalisierung nimmt Einfluss auf fast alle Bereich im täglichen Leben. Hierbei ist zu beobachten, dass vor allem in ländlichen Regionen herkömmliche Dienstleistungen durch digitale Leistungen im Internet ersetzt werden (Behördendienste, Bankgeschäfte, Einkauf etc.). Somit ist davon auszugehen, dass digitale Kompetenzen wie zum Beispiel die Internetnutzung in naher Zukunft als wesentliches Zuganskriterium für sozialen Teilhabe anzusehen sind. Vor diesem Hintergrund belegen Studien, dass die Internet-Nutzung von älteren Menschen maßgeblich durch das Geschlecht beeinflusst wird: Ältere Männer nutzen das Internet wesentlich häufiger als ältere Frauen. Es bleibt allerdings häufig unklar, welche Ursachen dem so genannten Gender Gap zu Grunde liegen.

Erklärungsansätze, die eine Polarisierung von Geschlechterstereotypen in den Mittepunkt stellen, gelten heutzutage als veraltert. Dementsprechend wird die These aufgestellt, dass der Gender Gap in der Internetnutzung sich maßgeblich durch mangelnde Erfahrung mit digitalen Technologien und nicht erkanntem Nutzen erklären lässt und letztendlich ein Kohorteneffekt ist: Mit dem Einzug von digitalen Technologien in die privaten Haushalte ist davon auszugehen, dass sich der Gender Gap mittelfristig schließen wird.

Diese Hypothehese wird durch die Auswertung der SHARE Daten (n=4.344) für die Altersgruppe 50+ bestätigt. Hier zeigt sich zum einen der signifikante Zusammenhang der Variablen „Internetnutzung“ und „Erfahrung mit Computern im Beruf“, zum anderen liefern die Daten konkrete Hinweise auf die Schließung des Gender Gaps bei den so genannten jungen Alten.

Die Ergebnisse zeigen zum einen den positiven Trend, dass sich mittel- bis langfristig der Gender Gap auflösen wird. Sie zeigen allerdings auch, dass für die Alten von heute der Gender Gap Realität ist. Um digitale Teilhabe für alle älteren Menschen zu ermöglichen, müssen vermehrt Informations- und Bildungsangebote geschaffen werdne, die drauf abzielen, den Gap schon jetzt zu verkleinern.

 

14:55
Mobile Datenerfassung mit Smartphones: Erfassung sozialer Verhaltensdaten im Alltag älterer Erwachsener
S20-15-03 

A. Seifert; Zürich/CH

In diesem Beitrag wird eine in der Gerontologie bislang wenig genutzte Methode vorgestellt und zur Diskussion gestellt: die mobile Datenerfassung mit Smartphones. Diese Methode ermöglicht es, Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen oder physiologische Prozesse älterer Menschen mit einem Smartphone zu messen und zu verfolgen. Das Hauptziel der mobilen Datenerfassung ist das Sammeln aktiver Daten (z. B. subjektive Selbstberichte) und/oder passiver Daten (z.B. sensorbasierte Daten vom Smartphone). Diese Methode erfreut sich aufgrund ihrer vielen Vorteile einer zunehmenden Beliebtheit: Erstens werden Information direkt aus dem Alltag und der realen Umgebung der Probanden gewonnen; zweitens werden die Berichte im Moment gesammelt und sind daher weniger anfällig als retrospektive Beurteilungen; drittens erfassen intensive, wiederholte Messungen eines Teilnehmers personenbezogene und situationsbasierte Daten; viertens sind solche Alltagsdaten reich an kontextuellen Informationen, da sie die Kombination von Selbstberichten und objektiven Kontextinformationen ermöglichen; und fünftens sind Smartphones als Messgeräte sowohl leistungsfähig als auch in der Bevölkerung weit verbreitet. In der Präsentation wird auf die Vorteile dieser Methode eingegangen, indem zunächst die Methode vorgestellt und anschließend auf Basis einer exemplarischen Studie zu täglichen Nachbarschaftskontakten (N = 77, 61-91 Jahre alt, über 20 Tage Messung) diskutiert wird.

15:15
Entscheidung für technische Assistenzlösungen für Personen mit Unterstützungsbedarf im häuslichen Umfeld – Befunde aus dem Projekt 9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen In Oberfranken
S20-15-04 

A. Beyer, S. Töpler, F. Damm, F. R. Lang; Nürnberg

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