Freitag, 20.09.2019

12:00 - 13:30

Konzertsaal

KN

Keynotes im Konzertsaal

12:00
Altern: Teilhabe ermöglichen – Versorgung sicherstellen
KN-01 

A. Kuhlmey, Berlin

Eine zentrale Lebensproblematik des Alterns besteht in der Bewältigung einer zunehmend negativen Bilanzierung des Verhältnisses zwischen Ressourcenerhalt und Potentialverlust.  Hier eine Balance zu finden ist die große Herausforderung an die Gesellschaften des langen Lebens und jeden altwerdenden Menschen.
Dabei kann nach heutigem Wissensstand von zwei Tatsachen ausgegangen werden. Zum einen ist ein sozial eingebundenes Sein eine Bedingung menschlichen Lebens und eine Vorentscheidung für Gesundheitserhaltung und Krankheitsbewältigung. Zum anderen ist ein langes Leben völlig frei von Erkrankung und Leistungseinschränkung ein theoretisches Konstrukt und die (Gesundheits-)Versorgung muss dazu beitragen, dass Selbstständigkeit und Teilnahme so lange wie möglich aufrechterhalten werden kann. In diesem Sinne definierte der Philosoph Friedrich Nietzsche Gesundheit als „das Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen“.
Die Keynote greift vor diesem Hintergrund eine Reihe von Fragen auf: Wo bieten moderne Gesellschaften Teilhabeplattformen für alte Menschen? Welche Teilhabeformen werden angenommen? Welche neuen Bilder vom Altersleben entstehen durch diese Tätigkeitsannahmen? Kann die Teilhabefähigkeit des alten Menschen als ethischer Maßstab für die medizinische und pflegerische Versorgung gesetzt werden? Wenn ja, welchen Regeln muss eine solche Versorgung folgen? Wie also muss eine selbstbestimmungsermöglichende medizinische und pflegerische Versorgung in Zukunft gestaltet sein?

12:45
Unentdeckte Bedürfnisse, ungedeckte Bedarfe? Wie sich soziale Gerontologie und Versorgungsforschung ergänzen
KN-02 

C. Strünck, Dortmund

Intersektorale und interprofessionelle Versorgungsstrukturen sind in einer alternden Gesellschaft besonders wichtig. Die Versorgungsbedarfe für ältere Menschen sind häufiger ungedeckt, weil das Leistungsrecht in Bereichen wie Prävention oder Rehabilitation zu wenig Anreize für integrierte Versorgung bietet. Die Bedürfnisse älterer Menschen werden nicht angemessen berücksichtigt, da Präferenzen in den Routinedaten der Versorgungsforschung kaum erfasst werden. Die soziale Gerontologie beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie ältere Menschen ihre Bedürfnisse artikulieren, in welche sozialen Netzwerke sie eingebunden sind oder wie Gesundheitskompetenz gefördert werden kann. Sozial-gerontologische Erkenntnisse und Methoden könnten stärker genutzt werden, um die „letzte Meile“ der Versorgung besser zu erforschen. Beobachtungsstudien und Real-Life Studien sind selten in der Versorgungsforschung. Auch soziale und sozial-räumliche Ungleichheiten werden zu wenig reflektiert. Der Vortrag diskutiert daher Ansätze und Erfahrungen, wie sich Versorgungsforschung und soziale Gerontologie ergänzen könnten.

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