Freitag, 20.09.2019

11:15 - 11:45

R15

Moderierte Postersession 1: Perspektiven der pflegerischen Versorgung älterer Menschen

Moderation: S. Strumpen, Berlin

11:15
Vereinbarkeit von Angehörigenpflege und Berufstätigkeit in KMUs – Ergebnisse einer explorativen Studie
P01 

S.-N. Ruppert, A. Heitmann-Möller, M. Hasseler; Heidelberg, Wolfsburg

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist mit der Zunahme von Berufstätigen zu rechnen, die für ihre pflegebedürftigen Angehörigen die Versorgungsverantwortung übernehmen werden. Hieraus können sich Probleme insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen entwickeln. Gegenwärtig besteht hinsichtlich der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege daher noch ein großer Forschungsbedarf. In einer explorativen und partizipativen Studie, welche teilstrukturierte Interviews mit unternehmensverantwortlichen Personen sowie zwei Photo-Voice-Workshops mit Beschäftigten umfasste, wurde die regionale Bedarfslage erfasst.
Dabei konnten folgende Ergebnisse herausgearbeitet werden: In der Perspektive der unternehmensverantwortlichen Personen wurden informelle gegenüber formell verbindlichen Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Pflege bevorzugt. Zudem erfolgte keine systematische innerbetriebliche Erhebung von Mitarbeiterbedarfen, die Rückschlüsse auf ein tatsächliches Bild der Bedarfslage erlauben würden. Dementsprechend scheint bei den unternehmensverantwortlichen Personen eine tendenziell oberflächliche Sensibilisierung zu dominieren. Bei den Beschäftigten dominierte in beiden Photo-Voice-Workshops die Thematik der Organisations- und Koordinationsarbeit zur Gewährleistung der Angehörigenpflege. Ein weiteres dominierendes Thema bildeten die flexibilisierten Arbeitszeitregelungen, um auf konkrete Bedarfe der Angehörigen eingehen zu können. Gerade die Inanspruchnahme dieser Arbeitszeitregelungen war jedoch abhängig von der jeweiligen Position und Tätigkeit im betrieblichen Gefüge und erfolgte meist auf Kosten der Beschäftigten. Hinzu trat die abnehmende Verlässlichkeit von pflegerischen Dienstleistungen, die wiederum eine Herausforderung für die Organisation und Koordination der Angehörigenpflege darstellte.
Die Quintessenz aus der explorativen Studie besteht im Plädoyer für formelle betriebsinterne Vereinbarungen in kleinen und mittleren Unternehmen, die die Vereinbarkeitsproblematik von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege adäquat adressieren und hierdurch ihre Beschäftigten halten können.

11:15
Kritische Reflexion der Photo-Voice-Methode – Erkenntnisse aus einer explorativen Studie zur Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege in Kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs)
P02 

M. Hasseler, S.-N. Ruppert, A. Heitmann-Möller; Heidelberg, Wolfsburg

Ein exploratives Forschungsprojekt zielte auf die Untersuchung der Perspektiven der Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Angehörigenpflege. Am geeignetsten erwies sich hier für das vom Charakter her explorative Forschungsprojekt ein qualitativer Methodenansatz, da es nur unzureichende Kenntnisse über Strategien von KMUs zur besseren Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und der Pflege von Angehörigen gibt.

Mit den Unternehmensverantwortlichen wurden leitfadengestützte Interviews geführt. Die Perspektive der Mitarbeitenden wurde mittels des Instruments der Photo-Voice-Methode (PVM) erhoben. Dieses partizipative Forschungstool bindet die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aktiv, als Co-Forscher in den Forschungsprozess mit ein. In zwei vorbereitenden Workshops wurden die Teilnehmenden über die PVM und die Anwendung derer geschult. Weiter wurden sie instruiert, während der mehrwöchigen Feldphase Fotos von Situationen mit Vereinbarkeitsproblemen anzufertigen und gegebenenfalls schriftliche Notizen zur Situation zu machen. In den beiden sich anschließenden Auswertungsworkshops wurden die Fotos den anderen teilnehmenden präsentiert sowie die Intention und Hintergrundinformationen mitgeteilt. Die Fotos wurden gemeinschaftlich diskutiert.

Als wesentliche Erkenntnis aus der Methodik kann konstatiert werden, dass die personelle Zusammensetzung der an der PVM teilnehmenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einschließlich der daraus sich ergebenden Gruppendynamik und die inhaltliche Qualität der Fotos für den Informationsgewinn entscheidend ist. Da weder die Akquise der am Forschungsprojekt teilnehmenden Unternehmen oder die Zusammensetzung der Gruppen im Aufgabenbereich des Forschungsteams lag, erwies sich insbesondere die Stichprobe als suboptimal. Gut ein Viertel der Teilnehmer kam aus Unternehmen mit guten beziehungsweise sehr guten Unterstützungsangeboten für die Arbeitnehmenden.

Aufgrund der Forschungsfrage, den Rahmenbedingungen des Forschungsprojektes und der Intention des Empowerments für die betroffenen Angehörigen mit pflegerischer Verantwortung, war die PVM die bevorzugte Wahl bei den partizipativen Forschungsinstrumenten. Da die Zusammensetzung der Stichprobe essentiell für das Forschungsprojekt und die sich anschließende Lösungswerkstatt ist, darf sie nicht dem Einfluss der Forscher entzogen werden.

11:15
Man hat Pflegekräfte gerufen....eine neue Form kultursensibler Altenpflege?
P03 

A. Stotz, C. Nakao; Stuttgart

Ausgangssituation und Fragestellung: Mit dem Älterwerden der sogenannten ersten Generation von Migrantinnen und Migranten wurde das Konzept der kultursensiblen Altenpflege in der gerontologischen Debatte etabliert. Inzwischen haben nicht nur die Pflegeempfänger, sondern immer häufiger auch diejenigen, die die altenpflegerische Versorgung in Deutschland leisten, eigene unmittelbare Migrationserfahrung, etwa durch Migration innerhalb der EU mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme, aufgrund gezielter Anwerbung als Pflegekraft aus dem Ausland oder durch Fluchterfahrungen und einer anschließenden pflegerischen Ausbildung in Deutschland.

Es wird hier angenommen, dass sich durch dieses in dieser Form neue Phänomen von Migration von Pflegekräften Veränderungen in der altenpflegerischen Versorgung ergeben könnten. Deshalb wird der Forschungsfrage nachgegangen, ob sich bei dieser Gruppe von Pflegekräften Unterschiede in der pflegerischen Kompetenz und in der allgemeinen Interaktion mit Pflegebedürftigen, Angehörigen, Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzen im Vergleich zu anderen Pflegekräften ausmachen lassen.

Methodik: Die Untersuchung bezieht sich auf Pflegefachkräfte und hauswirtschaftliche Kräfte in der Altenpflege, die in den letzten 5 Jahren nach Deutschland gekommen sind. Es wird in einem zweistufigen Verfahren vorgegangen. Als erster Schritt erfolgte im Frühjahr 2019 eine standardisierte schriftliche Befragung von Wohnbereichsleitungen stationärer Pflegeeinrichtungen zu den pflegerischen Kompetenzen von Pflegekräften mit unmittelbarer Migrationserfahrung im Vergleich zu anderen Pflegekräften. Dabei wurde insbesondere auf die Teilkompetenzen Empathie und interkulturelle Sensibilität eingegangen. Auf Grundlage der Auswertung der ersten Befragungen im Sommer 2019 werden die weiteren methodischen und inhaltlichen Schritte entworfen, die für die zweite Jahreshälfte 2019 vorgesehen sind.

Ergebnisse und Zusammenfassung: Bei der Entwicklung der weiteren Vorgehensweise sollen gegebenenfalls sich abzeichnende Unterschiede zwischen Pflegekräften mit Migrationserfahrung und anderen Pflegekräften genauer konturiert werden. Dabei ist auch zu diskutieren, wie – ebenfalls abhängig von den ersten Ergebnissen – die Problematik von Pauschalisierung und Stereotypisierung im weiteren Vorgehen zu berücksichtigen ist. Es ist weiterhin zu erörtern ob sich mögliche Unterschiede in der pflegerischen Kompetenz vor dem Hintergrund der unmittelbaren Migrationserfahrung erklären lassen.

11:15
Tagesbetreuung in Privathaushalten Bedarf: JA Umsetzung: VIELLEICHT Barrieren und Hinderungsgründe gegen eine Verstetigung von Modellprojekten
P04 

B. Lenders, J. Kupke, B. Weigl; Berlin

Hintergrund: Innovative Ideen zur Entlastung pflegender Angehöriger werden vielfach als Projekte gefördert.

Oft gehen erfolgreiche Projekte jedoch nicht in die Regelversorgung über.

Dies wird am Beispiel „Betreuungsangebote für Menschen mit und ohne Demenz in privaten Haushalten“ ( SowieDaheim im Mainz/Kinzig Kreis), als Modellprogramm zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung gemäß § 8 Abs.3 SGB XI von 2006 – 2011 durch den GKV Spitzenverband gefördert, näher betrachtet.

SowieDaheim: Eine Idee aus Schottland, welche auch in Deutschland modellhaft angewendet wird und eine Betreuungsform mit Zukunft darstellen könnte.

Eine Privatperson nimmt als Gastgeber*in 3 – 4 betreuungsbedürftige Menschen stundenweise auf.

Gastgeber*in hat Grundqualifikation, er*sie wird von Betreuungskräften und/oder Fachkräften unterstützt.

Ziel: Untersuchung der Hintergründe und Mechanismen der bisher nicht erfolgten flächendeckenden Übernahme des o.g. Beispiels in die Regelversorgung.

Fragestellungen: Warum gibt es nur wenige laufende Projekte?

Wie ist die Akzeptanz in den Modellprojekten?

Wie hoch ist für diese Versorgungsform der Bedarf?

Kann diese Versorgungsform sowohl für städtische als auch ländliche Bereiche genutzt werden?

Gewährleistet diese Versorgungsform in Laienhand eine ausreichende Qualität?

Gibt es eine Zukunft über die Modellprojekte hinaus?

Konnten weitere kommunale Interessent*innen ermittelt werden?

Methode: Qualitative Methode mit konkreten Befragungen als nicht standardisierte Leitfadeninterviews.

11:15
Technische Assistenzsysteme in der stationären und ambulanten Pflegeversorgung unter Berücksichtigung von ELSI und RRI-Aspekten
P05 

C. Heidl, A. Franke, J. Zerth; Fürth, Ludwigsburg

Hintergrund: In der ambulanten und stationären pflegerischen Versorgung gewinnen „Technische Assistenzsysteme“ (TA) vermehrt an Bedeutung. Hierbei gilt es jedoch auch, ethische und moralische Aspekte von vulnerablen Patient*innen, Angehörigen, Pflegekräften etc. in deren individuellen Versorgungskontexten zu analysieren. Mittels Instrumente, wie Ethical, Legal and Social Implications (ELSI) sowie Responsible Research and Innovation (RRI) sollen bei Implementierung einer TA ethische und moralische Bedenken in Bezug auf bspw. eine sichere Datenspeicherung, Implementierungskosten der TA etc., identifiziert werden.

Forschungsfrage: Bei Annahme, dass TA vornehmlich als Produkt-Dienstleistungs-Beziehungen wirksam werden, spielt die moralische und wertbezogene Einstellung der Umsetzungsakteure bei der Implementierung eine Rolle. Hier Umsetzungsagenten prospektiv hinsichtlich ihrer Nutzen- und Sorgebilder, die von der Reflektion ethischer Wertvorstellungen, getrieben zu untersuchen und auch gegenüber Einstellungsakzeptanzmethoden abzugrenzen soll in einer systematischen Form erhoben werden.

Methodik: Durch die methodische Verwendung des MEESTAR-Models (Manzeschke et al., 2013) in Abgrenzung zu Akzeptanzmodellen sollen akteursbezogene ELSI- und RRI-Aspekte in Bezug auf ethische und moralische Fragen bei Entwicklung und Implementierung eines TA identifiziert und herausgearbeitet werden.

Ergebnisse: Erwartbare Ergebnisse legen zugrunde, dass ethische und moralische Aspekte im Kontext der Entwicklung eines TA vorab identifiziert und begutachtet und auch methodisch von Erhebungen zur Einstellungsakzeptanz abgegrenzt werden. Sofern ethische und moralische Bedenken analysiert werden, können diese zur Herausbildung von befördernden und hinderlichen Faktoren der ethischen Akteursakzeptanz positiv geprüft wurden, so dass wertebezogene Entwicklungsaspekte frühzeitig integriert werden können.

Diskussion: Durch die Einbindung von TA in die stationäre und ambulante Pflege gewinnt vor allem der individuelle Versorgungskontext aller Beteiligten eine wesentliche Rolle. Mittels prospektiver ethischer Analyse (MEESTAR-Kriterien) können frühzeitige und in ein noch zu definierendes standardisiertes Verfahren prospektive entwicklungs- und implementierungsrelvante Wertekategorien eingebaut werden.

Literaturnachweis:

Manzeschke, A., Weber, K., Rother, E., Fangerau, H. (2013). Ergebnisse der Studie »Ethische Fragen im Bereich Altersgerechter Assistenzsysteme«. München.

11:15
Der Familienrat als Instrument für nachhaltige Lösungen zum selbstbestimmten Wohnen für Personen mit Unterstützungsbedarf - Potentiale und Grenzen
P06 

F. Damm, A. Beyer, S. Töpler, F. R. Lang; Nürnberg

Im Projekt 9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen in Oberfranken wurde in 9 Familienkontexten der aus der Jugendhilfe entliehene Familienrat als Instrument eingesetzt. In dem moderierten, problemzentrierten Familiengespräch wurden individualisierte und nachhaltige Lösungen zum selbstbestimmten Wohnen in der eigenen Häuslichkeit für Personen mit Unterstützungsbedarf erarbeitet, reflektiert und vereinbart. Neben sozialen, beratenden, baulichen und pflegerischen Maßnahmen, lag ein Fokus darauf, den Zugang zu technischen Assistenzlösungen zu begleiten und zu erleichtern. In einer gerontologischen Begleitstudie wurde der Familienrat hinsichtlich seiner Umsetzung sowie seiner Auswirkungen auf die psycho-soziale Situation der Beteiligten evaluiert.

Im Projekt wurden bei 9 Familien individuelle Bedürfnisse, Ressourcen und Sorgen des hilfebedürftigen Angehörigen und seines sozialen Netzwerks erfasst (N=38). Über die vier Messzeitpunkte hinweg wurden sowohl die am Familienrat beteiligten Mitglieder des Netzwerks der Person mit Unterstützungsbedarf sowie die Moderatoren befragt. Dabei wurden neben den psychologischen, sozialen und objektiven Wohn- und Lebensbedingungen der umsorgten Person, das Wohlbefinden der beteiligten Akteure sowie Beurteilungen zum Prozess des Familienrats und zur Umsetzung und Akzeptanz der vereinbarten Lösungen erhoben.

Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die heterogenen Problemstellungen und Bedürfnisse der einzelnen Familiensysteme in der Bandbreite und Anzahl der vereinbarten Maßnahmen widerspiegeln. Weiterhin ist eine hohe und zeitnahe Umsetzrate der Maßnahmen zu beobachten. Potentiale zeigen sich somit im individualisierten Zugang und der aktiven Einbindung relevanter Zielpersonen in den Entscheidungsprozess nachhaltiger Lösungen. Grenzen zeigen sich in der Dynamik der oft schon sehr belasteten Situationen - Bedürfnislagen ändern sich mitunter kurzfristig und maßgeblich. Dies hat insbesondere in kleinen oder finanziell eingeschränkten Netzwerke oder vulnerablen Konstellationen Auswirkungen auf den Betreuungsbedarf und die Wirkung des Familienrats.

11:15
Effekte eines moderierten Familienrates auf Beziehungserleben und subjektives Belastungsempfinden unterstützender Angehöriger im häuslichen Umfeld - Befunde aus dem Projekt 9xOfra - Selbstbestimmt Wohnen In Oberfranken
P07 

S. Töpler, F. Damm, A. Beyer, F. R. Lang; Nürnberg

Neben strukturellen Aspekten spielt die Beziehungsqualität im Kontext der Alltagsunterstützung von Personen mit Hilfebedarf im häuslichen Umfeld eine wichtige Rolle für das Belastungserleben der Angehörigen und die Ausgestaltung von Unterstützungsaktivitäten. Eine gute Beziehung kann dazu beitragen, die Pflege und Unterstützung für einen Angehörigen zu übernehmen. Dabei kann die Beziehung über subjektive Qualität, empfundene Nähe oder Reziprozität definiert werden.

Im Projekt 9xOfra – Selbstbestimmt Wohnen in Oberfranken wurden bei 9 Familien individuelle Bedürfnisse, Ressourcen und Sorgen des hilfebedürftigen Angehörigen und seines sozialen Netzwerks erfasst. Im Rahmen eines individualisierten, problemzentrieten und moderierten Familienrates wurden anschließend gemeinschaftlich Lösungen erarbeitet und deren Verantwortlichkeiten für die Umsetzung geklärt.

Die Evaluationsstudie untersucht, wie sich ein extern angeleiteter Familienrat und die dabei gemeinsam vereinbarten sozial-beratenden, baulichen und technischen Maßnahmen auf die Beziehungsgestaltung und das Erleben der Beziehung zwischen Unterstützendem und Empfänger der Hilfe in einem potentiell belastenden Kontext häuslicher Unterstützung auswirken.

Im Rahmen des Längsschnittdesigns wurden alle Beteiligten (N=38) zu vier verschiedenen Messzeitpunkten zu Effekten der Maßnahmen, Beziehung, Gesundheit und Lebenssituation befragt. Dadurch können die Bewertungen der unterstützenden Angehörigen und der Personen mit Hilfebedarf im Verlauf gegenübergestellt werden.

Es lässt sich eine Relation zwischen dem Beziehungserleben und empfundener Belastung der unterstützenden Angehörigen erkennen. Dabei zeigen strukturelle Aspekte der Unterstützungssituation sowie die Umsetzung und Ausgestaltung der im Familienrat vereinbarten Maßnahmen einen differentiellen Einfluss auf diesen Zusammenhang.

Daraus leiten sich Implikationen für die Beratung und Unterstützung von Angehörigen von Personen mit Hilfebedarf im Alltag ab, die nicht nur strukturelle Einflüsse, sondern auch die dyadische Beziehungsebene und beziehungshemmende und -fördernde Faktoren, einschließen.

11:15
Qualifizierte Freiwillige an der Schnittstelle zwischen Krankenhaus und Häuslichkeit - eine systematische Übersicht über Interventionstypen, -effekte und Qualifizierungskonzepte
P08 

A. Göhner, C. Kricheldorff, E.-M. Bitzer; Freiburg

Fragestellung: Um den Herausforderungen des demografischen Wandels, des Personalmangels und des gesellschaftlichen Wandels zu begegnen, bedarf es neuer Ansätze in der Versorgung Älterer. In den letzten Jahren wurden deshalb verstärkt Freiwillige in die Begleitung Älterer während und nach der Hospitalisierungsphase einbezogen. In diesem Beitrag werden die in empirischen Studien untersuchten Einsatzmöglichkeiten qualifizierter Freiwilliger in der Eins-zu-Eins-Begleitung chronisch erkrankter Älterer in der eigenen Häuslichkeit nach einem Krankenhausaufenthalt vorgestellt.

Methodik: Im April 2017 wurde eine systematische Recherche in den Datenbanken Cochrane Library, Medline (PubMed), CINAHL und PsycINFO (Ebscohost) durchgeführt. Eingeschlossen wurden (cluster-/quasi-)randomisiert kontrollierte Studien, kontrollierte klinische Studien und Studien im Eingruppen-Prä-Post-Design. Zusätzlich wurden die Onlinepräsenzen von acht Institutionen aus Forschung und Praxis aus Deutschland gesichtet und eine Befragung der Originalautoren zu den Qualifizierungskursen für die Freiwilligen durchgeführt.

Ergebnisse: Im internationalen Kontext finden sich spezifische Interventionen, in denen qualifizierte Freiwillige psychosozial-koordinative Unterstützung (n=2), körperlich-kognitive Aktivierung (n=4) oder Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme (n=2) übernehmen. Die Ansätze haben kurzfristige, kleine bis mittlere Effekte zu heterogenen Endpunkten. Das Training der freiwillig Engagierten dauerte 12–26 Stunden und fand vor dem ersten Patientenkontakt statt. Während der Intervention konnten die Freiwilligen auf kontinuierliche Unterstützungsstrukturen zurückgreifen.

Zusammenfassung: Es gibt wenige Studien, die die Eins-zu-Eins-Begleitung durch qualifizierte Freiwillige nach einem Krankenhausaufenthalt untersuchen und die Wirksamkeitsnachweise sind inkonsistent. Deshalb sollte einerseits die Eignung und Übertragbarkeit der Interventionen in länderspezifische Settings in Machbarkeitsstudien untersucht werden, andererseits bedarf es weiterer Wirksamkeitsnachweise mittels hochwertiger Studien.

Zurück