Donnerstag, 19.09.2019

13:30 - 15:00

R111

S19-14

Pflegende Angehörige

Moderation: A. Hoff, Görlitz

13:30
Phasen der Angehörigenpflege - eine vergleichende Falldarstellung von Unterstützungsbedarfen
S19-14-03 

K. Thümmler, I. Horváth-Kadner, H. Clasen, W. Beckmann, A.-K. Haubold, T. Fischer; Dresden

Fragestellung: Die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen dauert oft mehrere Jahre und ist meist ohne Unterstützung von pflegenden Angehörigen kaum möglich. Lindgren (1993) unterscheidet verschiedene Stadien der Pflegendenkarriere" im Leben eines pflegenden Angehörigen: 1) Eintrittsphase - Übernahme der Pflegerolle, 2) Beständiges Stadium, 3) Austrittstadium – Abgabe der Pflegerolle. In den Phasen werden pflegende Angehörige mit unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen bei der Versorgung ihrer Nächsten konfrontiert. Eine besondere Teilgruppe der pflegenden Angehörige sind Gesundheitsfachpersonen (u.a. Pflegekräfte), die auch privat pflegebedürftige Angehörige versorgen („Double-Duty Carer“, DDC). Durch ihr berufliches Wissen werden DDC mit der familiären Erwartung konfrontiert, die (Pflege)verantwortung für ihre pflegebedürftigen Nächsten zu übernehmen. Im Folgenden werden drei Fälle von DDC gegenübergestellt, die sich in verschiedenen Stadien der privaten Angehörigenpflege befinden, mit dem Ziel phasenspezifische Unterstützungsbedarfe für die private Angehörigenpflege bei DDC abzuleiten.

Methode: Die Zielstellung ist eine Teilzielstellung des Projektes „Double Duty Carers in Deutschland – Verbesserung der Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Pflegeaufgaben“, in dessen Rahmen u.a. leitfadengestützte Interviews mit DDC durchgeführt wurden. Zur Untersuchung der Zielstellung wurden drei DDC-Einzelfälle ausgewählt, die sich in verschiedenen Stadien der „Pflegendenkarriere“ befinden und vergleichend gegenübergestellt. Die Auswertung basierte auf der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.

Ergebnisse: Der Fokus der Ergebnisse liegt auf dem subjektiven Erleben der privaten Angehörigenpflege bei DDC in den jeweiligen Versorgungsstadien ihrer Pflegendenkarriere sowie der erlebten Unterstützung und Bewältigung bei den verschiedenen Aufgaben und Herausforderungen bei der Versorgung ihrer Nächsten. Ausgehend davon werden phasenspezifische Handlungsbedarfe zur Unterstützung (u.a. seitens Arbeit, Versorgungssystem) bei der Angehörigenpflege für DDC abgeleitet.

Diskussion: Zur Verbesserung der Versorgungsqualität von pflegebedürftigen Menschen sind die Unterstützungsbedarfe pflegender Angehöriger differenzierter wahrzunehmen. Zu prüfen ist, ob die aufgezeigten phasenspezifischen Unterstützungsbedarfe für DDC auch auf andere pflegende Angehörige ohne gesundheitsprofessionellen Hintergrund übertragbar sind.

13:50
Peer-Begleitung - (k)eine Unterstützungsmaßnahme für privat und beruflich pflegende Personen?!
S19-14-04 

I. Horváth-Kadner, K. Thümmler, T. Fischer; Dresden

Pflegende Angehörige sind bedeutsame Pfeiler des Versorgungssystems. Eine besondere Teilgruppe sind Gesundheitsfachpersonen (z. B. Pflegekräfte), die zusätzlich auch ihre pflegebedürftigen Angehörigen versorgen (sog. Double Duty Carer; DDC).  Aufgrund ihres beruflichen Wissens werden DDC mit der Erwartung aus der Familie konfrontiert, die Pflege für den pflegebedürftigen Angehörigen zu übernehmen. Diese Erwartung, bedingt durch die professionelle Pflegerolle, bringt sie nicht selten in einen Konflikt mit ihrer Rolle als Familienmitglied z. B. als Frau, Tochter (Giles & Williamson, 2015). Gleichzeitig sind DDC in Bereichen tätig, die durch besondere Herausforderungen (z. B. Schichtdienst) sowie hohe psychische und physische Belastungen charakterisiert sind.

Auf der Grundlage von Ergebnissen einer Befragung von Pflege- und Betreuungskräften ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen und Interviews mit DDCs wurde eine Unterstützungsmaßnahme zur besseren Vereinbarkeit von beruflicher und privater Pflege entwickelt. Die Maßnahmenentwicklung basiert auf dem Peer-Support-Ansatz (Mead et al., 2001) und der Angehörigen-Peer-Begleitung aus der psychiatrischen Versorgung (Sielaff et al. 2015). Die Grundidee des Peer-Ansatzes ist, dass entsprechend geschulte Personen, die besondere Lebenssituationen bewältigt haben, andere Personen in ähnlicher Situation begleiten und unterstützen. Bei dem entwickelten Konzept begleiten über einen festgelegten Zeitraum DDCs, die einen Angehörigen gepflegt haben oder bereits länger in der Angehörigenpflege eingebunden sind, DDCs, die aktuell aufgrund von Problemen in/mit der Angehörigenpflege beratende Unterstützung benötigen.

Vorgestellt wird das entwickelte Peer-Begleitungs-Konzept einschließlich der Vorbereitung der teilnehmenden DDC, Auswahlkriterien der DDC-Paare und die geplante Umsetzung. Trotz intensiver Bemühungen zur Teilnehmerrekrutierung ist es nicht gelungen, ausreichend interessierte DDC zu gewinnen, um das entwickelte Konzept zu erproben. Es werden Gründe für das Scheitern der Maßnahme diskutiert.

Aufgrund des Interrollenkonflikts von DDC sowie der besonderen Herausforderungen und hohen Belastungen im beruflichen Kontext bleibt es wichtig, speziell auf die Bedarfe von DDC zugeschnittene Unterstützungsmaßnahmen zur Vereinbarkeit von beruflicher und privater Pflege zu entwickeln. Ein besonders wichtiger Aspekt scheint dabei zu sein, geeignete Zugangswege zu DDCs zu entwickeln. 

 

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