Donnerstag, 19.09.2019

11:00 - 12:30

R111

S19-06

Professionalisierung in den Bereichen Gesundheit und Pflege in Deutschland und der Wandel der wissenschaftlichen Weiterbildung

Moderation: S. Hampel, Dortmund

In den letzten Jahren kommt es in der täglichen Arbeit der Gesundheits- und Pflegeberufe in Deutschland zu einer Verdichtung der Aufgaben und gleichzeitig zu einem immer größer werdenden Mangel an Fachkräften. Gleichzeitig verändert sich auch die Zielgruppe der unterstützungsbedürftigen älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen. Um die Versorgung und Teilhabe dieser Menschen zu sichern bzw. zu verbessern, ist die Vermittlung von aktuellem Fachwissen ein wichtiger Bestandteil. Personen, die derzeit in diesem Berufsfeld arbeiten, haben, basierend auf diesen Anforderungen, einen kontinuierlichen und stetig wachsenden Bedarf an wissenschaftlicher Weiterbildung. Diesem kann mit bereits existierenden Angeboten auf akademischer Ebene nicht ausreichend begegnet werden. Dieses Symposium widmet sich daher am Beispiel aktueller Forschungsprojekte aktuellen und künftigen Herausforderungen für wissenschaftliche Weiterbildung in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Dabei werden sowohl unterschiedliche Zielgruppen sowie verschiedene Programme für die wissenschaftliche Weiterbildung - und dabei insbesondere solche, die nicht-traditionelle Studierende als Teilnehmende gewinnen wollen- berücksichtigt. Insbesondere werden Beispiele präsentiert, welche die Lebens- und Arbeitsumstände der Zielgruppen berücksichtigen. Die Teilnahme an diesem Symposium will einen Einblick in Herausforderungen für Professionelle für eine qualitativ hochwertigen Gesundheits- und Pflegeversorgung geben sowie den (künftigen) Bedarf für wissenschaftliche Weiterbildung eruieren. Ziel der vorgestellten Projekte mit ihren wissenschaftlichen Weiterbildungsangebote ist es, einen zielgruppengerechten Beitrag zur Professionalisierung von Gesundheit und Pflege zu leisten und vor dem Hintergrund der Heterogenität der Teilnehmenden zu diskutieren. Die Ergebnisse der Projekte sollen einen Beitrag zur Verbesserung der Situation von Beschäftigten in den Bereichen Gesundheit und Pflege leisten.

11:00
Fortbildungsbedarfe für Berufsgruppen im Kontext der pflegerischen und gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe
S19-06-01 

L. Stölting, M. Hasseler; Wolfsburg

Im Rahmen des Projektes „EIBeMeB - Einschätzung gesundheitlicher und pflegerischer Bedarfe von Menschen mit geistigen und/oder mehrfachen Beeinträchtigungen in stationären und ambulanten Wohneinrichtungen in der Region Braunschweig - Entwicklung und Testung eines Einschätzungsinstruments“ wurden in einem ersten Schritt Befragungen mit Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen verschiedener Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit sogenannter geistiger Beeinträchtigung durchgeführt, um herauszufinden, wie sie die pflegerische und gesundheitliche Versorgung vor Ort erfahren und bewerten.   

Auf Grundlage der Interviewanalyse sollen hemmende und förderliche Faktoren in der Versorgung und Finanzierung identifizieren sowie Handlungsempfehlungen für zukünftige Konzepte abgeleitet werden. Die Auswertung erfolgt mit der Inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse von U. Kuckartz. Als theoretisch-methodischer Rahmen sollen der Lebenslagenansatz, der auch dem ersten und zweiten Bundesteilhabebericht zugrundet liegt, sowie eine modifizierte Person-Umfeld-Analyse von G. C. Schulze genutzt werden.

Erste Analyseergebnisse der Befragungen der Mitarbeiter*innen weisen darauf hin, dass ein großer Anteil der täglichen Begleitung im Wohnalltag von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung körperbezogene Pflege- und pflegerische Betreuungsmaßnahmen umfasst. Viele der interviewten Personen geben zudem an, dass sie sich in diesen Bereichen nur unzureichend ausgebildet und oft handlungssicher fühlen.

Aufgrund einer seit einigen Jahren stetig ansteigenden Anzahl von älteren Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist davon auszugehen, dass die pflegerische und gesundheitliche Versorgung zukünftig noch verstärkt Bestandteil der täglichen Arbeit in den oben genannten Wohneinrichtungen sein wird. Es fehlen allerdings entsprechende Fortbildungsangebote für die in diesem Feld tätigen Berufsgruppen, bei denen zielgruppen- sowie altersspezifische Lerninhalte im Kontext von Pflege und Gesundheit berücksichtigt werden und die berufsbegleitend sowie lernortunabhängig wahrgenommen werden können.

11:20
Lebenslanges Lernen an Hochschulen: Ein Trainingsprogramm für nicht-traditionell Studierende
S19-06-02 

U. Weidlich-Wichmann, A. Heitmann-Möller, M. Hasseler, L. Batzdorfer; Wolfsburg

Fragestellung: Die Fakultät Gesundheitswesen öffnet sich zunehmend für nicht-traditionell Studierende aus den Pflegeberufen. Mit einem Trainingsprogramm vor Beginn des eigentlichen Studiums sollen die Ressourcen dieser Studierenden frühzeitig identifiziert und genutzt werden.

Methodik: Zu diesem Zweck wurde im Winter 2017/2018 eine Mixed-Methods-Studie durchgeführt. Diese umfasste eine Fragebogenstudie (N= 111) und vier Fokusgruppeninterviews (n= 15) mit Studierenden aus drei niedersächsischen Hochschulen.

Ergebnisse: Dabei konnten in dieser Studie wichtige Erkenntnisse im Zusammenhang mit der immer noch nicht etablierten Akademisierung der Pflege in Deutschland herausgearbeitet werden: Die Studierendenschaft zeichnet sich durch eine hohe Heterogenität aus, da sie sich aus älteren berufserfahreneren und jüngeren, weniger berufserfahrenen, Pflegenden zusammensetzt. Auffallend ist hier, dass die jüngeren weniger berufserfahrenen Pflegenden eine höhere Vulnerabilität im Gegensatz zu den berufserfahrenen Pflegenden aufwiesen. Dieses äußert sich z.B. sowohl in abfälligen Verhaltensweisen von Seiten der Kollegenschaft oder den Vorgesetzten als auch in einer unklaren Studienmotivation. Für diese Zielgruppe ist es daher wichtig, sie frühzeitig für die Ambivalenzen eines berufsbegleitenden Pflegestudiums in einem noch nicht etablierten Handlungsfeld zu sensibilisieren.

Zusammenfassung: Die Ergebnisse aus der Evaluation dieser Maßnahme weisen auf wesentliche Erkenntnisse zu Chancen und Risiken der akademischen Weiterbildung in der Pflege hin und machen diese für die Weiterentwicklung von Studienangeboten sichtbar.

11:40
Chancen und Herausforderungen bei der Implementierung innovativer Lehr- und Lernformen im Rahmen von wissenschaftlicher Weiterbildung im Gesundheits- und Pflegebereich
S19-06-03 

S. Hampel, A. Eiben, M. Hasseler; Wolfsburg

Im Rahmen des BMBF geförderten Projektes „PUG II–Aufbau berufsbegleitender Studiengänge in den Gesundheits- und Pflegewissenschaften“, ist die Ostfalia HaW mit dem Teilvorhaben „Bachelor Upgrade angewandte Pflegewissenschaften“ beteiligt. Darin werden wissenschaftliche Weiterbildungsprogramme unter Verwendung des Blended Learning Konzeptes entwickelt, die insbesondere Berufstätige aus den Bereichen Gesundheit, Pflege und Therapie ansprechen und auf veränderte Anforderungen in der Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf sollen. Deren Implementierung wird aus Teilnehmenden- und Arbeitgebendensicht analysiert, weshalb sich u.a. folgende Fragestellungen ergeben:

  • Welche Faktoren beeinflussen die Teilnahme an wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten? Welche sind förderlich? Welche sind hinderlich?
  • Inwieweit sind die neuen Bildungsangebote in der Lage, die Zugangsvoraussetzungen für nicht - traditionelle Studierende der hier in Rede stehenden Zielgruppe den Zugang zu dem Bildungsangebot zu ermöglichen?

Zur Beantwortung der Fragestellungen werden wurden bzw. werden Module aus Teilnehmendensicht (aktuell: 10 Module) erprobt und mithilfe von standardisierten Fragebögen (n=55) und qualitativen Interviews evaluiert. Die Perspektive der Arbeitgebenden wird durch leitfadengestützte qualitative Interviews (eine Fokusgruppe mit 5 Arbeitgebenden sowie 3 Einzelinterviews) erhoben.

Folgende Aspekte begünstigen die Umsetzung von Angeboten im Blended Learning:

  • Vorhandensein von erfahrenen Online-Mentor*innen
  • Didaktisch aufbereitetes Studienmaterial für die Selbstlernphasen
  • Ausreichend Zeit für Vor- und Nachbereitung
  • Eingestreut angebotene Präsenzveranstaltungen, die frühzeitig bekannt gegeben werden
  • Umfassende Beratung und Begleitung von Teilnehmenden und Arbeitgebenden
  • Anforderungen an Teilnehmende müssen klar formuliert werden

Arbeitgebende haben wenig Erfahrung mit und sehr hohe Erwartungen an Angebote wissenschaftlicher Weiterbildung und fungieren als gatekeeper. Lernende benötigen technische Unterstützung sowie Unterstützungsmaterialien. In der Fachliteratur wird bereits auf den hochgradigen Service- und Beratungsaufwand der Zielgruppe hingewiesen.

Werden genannte Aspekte berücksichtigt, bieten Angebote im Blended Learning eine ortsunabhängige Alternative für die Zielgruppe, die somit einen Beitrag leisten können, Mitarbeitende in den Bereichen Gesundheit und Pflege hinsichtlich veränderter Anforderungen im Berufsfeld weiterzuqualifizieren.

12:00
Zertifikatskurse als wissenschaftliches Weiterbildungsangebot zur Kompetenzentwicklung von Pflegefachkräften
S19-06-04 

S. Schaffrin, V. Thies; Wolfsburg

Fragestellung: Das Berufsfeld der Pflege unterliegt einem hohen Anpassungsdruck und einem permanenten Wandel. Für Pflegefachkräfte besteht somit ein zunehmender Bedarf der Weiterqualifizierung. Im Rahmen des von Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts regioWB (Regionale Weiterbildung und Beratung) wurden an der Ostfalia HaW Weiterbildungsbedarfe und Bedingungen zur Ausgestaltung von hochschulischen Zertifikatskursen für Berufstätige der Gesundheitsfachberufe erforscht sowie Anschlussmöglichkeiten an (weiterbildende) Studiengänge eruiert.

Methodik: Im Rahmen einer Mixed-Methods-Studie, bestehend aus einer Fragebogenstudie (N=321) und Experteninterviews (N=28), wurden Personen in Führungs- und Leitungspositionen mit Tätigkeiten in Verbänden, Gesellschaften, Institutionen, Unternehmen aus den Pflege-, Krankenhaus- und Bildungssektoren und Personen aus der Gesundheits- bzw. Pflegepolitik befragt. Hierdurch gelang es, einen mehrdimensionalen Blick auf die inhaltlichen, konzeptionellen und organisatorischen Bedarfe zur Entwicklung und Ausgestaltung hochschulischer Zertifikatskurse zu erhalten.

Ergebnisse: Ein wesentlicher Vorteil von Zertifikatskursen liegt in ihrer hohen Flexibilität: Durch den modularen Aufbau von Inhalten können Zertifikatsangebote bedarfs- und teilnehmerorientiert entwickelt und von den Teilnehmenden entsprechend der eigenen Vorkenntnisse ausgewählt werden. Nicht zuletzt tragen Zertifikatskurse als Einstiegsangebot dazu bei, Hemmungen vor der Institution Hochschule abzubauen und deren Öffnung zu stärken. Zielgerichtete Beratung der Weiterbildungsinteressierten sowie Teilnehmenden ist in diesem Zusammenhang von besonderer Relevanz und kann den Einstieg, das Verbleiben und das erfolgreiche Absolvieren wissenschaftlicher Weiterbildung positiv unterstützen.

Zusammenfassung: Die Ausgestaltung wissenschaftlicher Weiterbildung mithilfe von Zertifikatskursen bietet entscheidende Vorteile für die Zielgruppe der Pflegefachkräfte. Dennoch sollten bei der Umsetzung spezielle Unterstützungs- und Betreuungsangebote für die Teilnehmenden sowie zielgruppenspezifische Beratungsangebote mitgedacht und begleitet werden, um die Vereinbarkeit von Weiterbildung und beruflichen bzw. familiären Anforderungen zu erleichtern.

Diskutantin: M. Hasseler, Wolfsburg

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