Donnerstag, 19.09.2019

15:30 - 17:00

R6

S19-19

Strategien für Inklusion Älterer im ländlichen Raum

Moderation: J. Heusinger, Magdeburg

Hintergrund: Bei aller Vielfalt ländlicher Räume gibt es typische Probleme für die dort lebenden älteren Menschen, besonders wenn die Fähigkeiten zur selbständigen Mobilität ab- und die Unterstützungsbedarfe zunehmen. Vielerorts kennzeichnen große Distanzen zu Angeboten der Versorgung, Teilhabe und zivilgesellschaftlichen Partizipation die sozialräumlichen Gegebenheiten, die außerdem (regional sehr unterschiedlich) von der Abwanderung Jüngerer geprägt sind. Die soziale und gesellschaftliche Teilhabe der Älteren zu gewährleisten ist eine Herausforderung für die Betroffenen, aber auch für Träger und politisch Verantwortliche.
Ziel des Symposiums ist es, auf Basis eines einführenden Beitrags, der knapp den Forschungsstand zur Situation Älterer im ländlichen Raum umreißt und ausgewählte Handlungserfordernisse benennt,  in drei weiteren Beiträgen Strategien von unterschiedlichen Akteuren zur Diskussion zu stellen, die der Exklusion Älterer in ländlichen Räumen entgegenwirken (sollen).

15:30
Exklusion Älterer im ländlichen Raum: Befunde und praktische Herausforderungen
S19-19-01 

J. Heusinger; Magdeburg

Strukturschwache ländliche Regionen gelten in vielerlei Hinsicht als Problemregionen. Gerade in den neuen Bundesländern wird ihnen ein Modernisierungsrückstand zugeschrieben (z. B. Kröhnert et al. 2007), der allenfalls durch nachholende Entwicklung überwunden werden kann. Auch wenn sie nicht als Peripherie an sich, sondern als peripherisierte Regionen betrachtet werden, u. a. durch Prozesse der Globalisierung, bestimmte bundespolitische Entscheidungen, wirtschaftliche Entwicklung (Beetz 2008, Kühn/Weck 2013), sind die Voraussetzungen für ein gutes Altern dort gemessen an Vorstellungen von altersfreundlichen Gemeinden und Quartieren (WHO 2007) oft nur teilweise gegeben. Welche Ressourcen und Potenziale ländliche Regionen bei differenzierter Betrachtung auch für gutes Alter(n) bieten, ist demgegenüber nur wenig erforscht (Fachinger/Künemund 2015).
Mit Impulsbeitrag wird ein Rahmen aufgespannt, der Anregungen für eine Diskussion der Grenzen und Möglichkeiten der folgenden projektbezogenen Beiträge geben soll.

15:50
Die „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier“ als Teil einer landespolitischen Strategie in Brandenburg
S19-19-02 

T. Stellmacher; Berlin

Die durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) im Jahr 2014 in Auftrag gegebene „Brandenburger Fachkräftestudie Pflege“ prognostiziert für das Land Brandenburg in den kommenden 20 Jahren einen stetig steigenden Pflegebedarf und einen sich zuspitzenden Mangel an Pflegefachkräften. Dies war im Jahr 2015 Auslöser für den Start der Brandenburger „Pflegeoffensive“. Ziel dieser Initiative ist es, in allen Landesteilen präventiv wirkende Strukturen und eine Haltung zu för-dern, die für ältere Menschen mit und ohne Pflegebedarf die Lebensqualität steigert und die Versorgung sichert.
Zentrale Maßnahme der Pflegeoffensive ist die Einrichtung der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier – FAPIQ. Finanziert durch das MASGF gemeinsam mit den Pflegekassen engagieren sich seit Oktober 2015 Gesundheit Berlin Brandenburg e. V. (GBB), die Alzheimer Gesellschaft Brandenburg e. V. (AHG Brandenburg) und das Institut für Gerontologische Forschung e. V. (IGF) im Rahmen dieses Modellpro-jekts für die Förderung von altersfreundlichen Kommunen in Brandenburg. Kommunalen und landesweit agierenden Akteuren aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrt, der Pflegewirtschaft und bürgerschaftlich en-gagierten Initiativen werden über die Fachstelle Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt und sie werden in ihren Handlungskompetenzen gestärkt.
Inhaltlich bearbeitet FAPIQ im Rahmen der Modellprojektphase die vier Schwerpunkte ‚Kommunale Altenhilfe und Pflegeplanung‘, ‚Schaffung von alltagsunterstützenden Angeboten‘, ‚Förderung von al-ternativen Wohnformen zusammen mit technischen Möglichkeiten der Alltagsunterstützung‘ und ‚Al-ternsgerechte Quartiersentwicklung‘. Berücksichtigt werden müssen dabei die stark divergierenden strukturellen, räumlichen und kulturellen Bedingungen und Handlungsmöglichkeiten in den Landkreisen, Gemeinden, kleineren Städten und Dörfern Brandenburgs.
Im Rahmen des Symposiums werden die Struktur der Fachstelle und ausgewählte Ergebnisse der Arbeit von FAPIQ vorgestellt sowie auf Basis der Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitforschung Gelingensfaktoren zur Diskussion gestellt.

16:10
Potenziale gezielter Förderung alternsgerechter Quartiersentwicklung durch Mikroprojekte
S19-19-03 

H. Nolde; Magdeburg

Der Beitrag stellt das Instrument der Mikroprojektförderung der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg - FAPIQ zur Stärkung von Initiativen im Land Brandenburg vor.
In Gemeinden im ländlichen Raum sind engagierte Personen aktiv. Jedoch fehlen oft finanzielle Ressourcen und zum Teil Wissen über Theorie und Praxis der Umsetzung von Quartiersentwicklungsprozessen. Mit der kleinteiligen finanziellen Förderung von Mikroprojekten bis zu 5000 € im Rahmen des Förderaufrufs „Gut Älterwerden im vertrauten Wohnumfeld“ greift FAPIQ die vorhandenen Ansätze auf und stößt Prozesse an, die zur Entwicklung von alternsfreundlichen Gemeinden führen können. Die Initiativen reichen dabei von der Einrichtung eines Literatur Cafés, über den Aufbau eines Mittagstisches, bis zur gemeinsamen Entwicklung des Gemeinschaftsorts „Streuobstwiese“. Am Beispiel ausgewählter Projekte wird im Beitrag gezeigt, was durch die Förderung entstanden ist und wie sie im Zusammenspiel mit gezielter Beratung und Begleitung wirkt.

16:30
Selbstbestimmt altern auf dem Land – Das Quartiersprojekt Letzlingen
S19-19-04 

S. Schönemann; Gardelegen

Das Altern auf dem Land stellt die Gesellschaft und Politik vor Herausforderungen, wie bspw. Fachkräftemangel, lange Fahrtwege für Pendler und Pflegedienste, sowie die Entstehung von Schlafdörfern. Folge daraus kann Einsamkeit im Alter, Überlastung pflegender Angehöriger und eine frühzeitige stationäre Unterbringung sein. Dem gilt es mit gut angepassten regionalen Angeboten entgegen zu wirken.
Das ‚Quartiersprojekt Letzlingen - Gut und selbstbestimmt Altern auf dem Lande‘ in der Altmark in Sachsen-Anhalt beruht deshalb auf einer vorangegangenen Bedarfs- und Sozialraumanalyse. Sie zeigte, dass die Menschen vor Ort einen Raum für Beratung, Begegnung, Bildungs- und Bewegungsangebote möchten. Aus der Analyse wurde außerdem deutlich, dass unverkennbar ein höherer Anteil an Menschen Unterstützung im Alltag benötigt als von den Pflegekassen unterstützt werden. Um das Leben und Altern auf dem Land wieder lebenswerter zu gestalten, initiierten die Pfeifferschen Stiftungen daraufhin in der Gemeinde Letzlingen (ca. 1.500 Einwohner*innen) im Jahr 2017 ein Quartiersmanagement mit einem ehrenamtlichen geschulten Helferkreis, der niedrigschwellige und lebensnahe Hilfen leistet und die Gemeinde dazu aktiviert, sich selbst neu zu beleben. Dabei sind vielfältige Angebote mit zahlreichen BesucherInnen entstanden. Neue Kontakte und lokale Netzwerke wurden geknüpft und Versorgungsstrukturen auf dem Land geschaffen. Für die Zukunft des Landlebens sollten sich Kommunen für die Nachhaltigkeit solcher Projekte gegen Einsamkeit im Alter und lebenswertes Leben auf dem Land einsetzen.

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