Donnerstag, 19.09.2019

15:30 - 17:00

R3

S19-24

Wie kann die Teilhabe pflegebedürftiger Menschen im Alter gelingen? Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven

Moderation: S. Kühnert, Bochum

Symposium des Arbeitskreises Pflege und Teilhabe

Das zehnjährige Jubiläum der Verabschiedung der UN BRK sowie die Verabschiedung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) in Deutschland sind zwei wichtige Impulsgeber, die zu einer Ausweitung der Diskussion über Bedingungsfaktoren gelingender sozialer Teilhabe auf die Gruppe pflegebedürftige Menschen im Alter beigetragen hat. Auch der AK Pflege und Teilhabe befasst sich in seiner inhaltlichen Arbeit mit dieser Thematik und möchte mit dem eingereichten Symposium eine Diskussion in der DGGG über Anspruch und Realisierbarkeit des Rechtes auf Teilhabe für ältere pflegebedürftige Menschen anstoßen und Hinweise auf eine sich daraus ergebenden Handlungsbedarf geben. Dabei sollen in den vorgesehenen vier Beiträgen des Symposiums sowohl konzeptionelle Grundlagen, aus denen sich der Anspruch auf Teilhabe ableiten lässt, diskutiert werden als auch ein Einblick in die Versorgungspraxis mit ihren Umsetzungschancen und –grenzen gegeben werden.

Der einleitende Beitrag von Kühnert beschäftigt sich mit theoretischen und konzeptionellen Überlegungen, die dem Anspruch auf Teilhabe zugrunde liegen und diesen für die Gruppe alterspflegebedürftiger Menschen begründen. Unter der Leitfrage „Was ist der gerontologische Anspruch, Teilhabe im Alter zu gewährleisten?“ werden nach einer einführenden Begriffsklärung gerontologische Theorien und empirische Forschungsergebnisse als Begründungszusammenhänge für eine stärkere Teilhabeorientierung von Unterstützungsangeboten für ältere Menschen mit Hilfebedarf vorgestellt. Des Weiteren werden Anforderungen an die Umsetzung sozialer Teilhabe für diese Personengruppe auf den verschiedenen Ebenen gesetzlicher und personeller Rahmenbedingungen formuliert.

Der sich daran anschließende Beitrag von Richter mit dem Titel „Strukturelle Bedingungen für die Umsetzung von Teilhabe für pflegebedürftige Menschen“ analysiert als einen Aspekt von Umsetzungsbedingungen gelingender Teilhabe strukturelle Rahmenbedingungen, unter denen Pflege zurzeit stattfindet. Im Vortrag wird aufgezeigt, inwieweit die derzeitigen rechtlichen Regelungen Teilhabe ermöglichen und diese auch in der Praxis umgesetzt werden.

Wie eine gelingende Teilhabeförderung älterer Menschen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen gestaltet werden kann, illustrieren die beiden abschließenden Vorträge, in denen zwei Praxisbeispiele zur Stärkung von Teilhabe für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen vorgestellt werden.

Lechtenfeld, Kuhlmann und Bertermann stellen in ihrem Beitrag Gesundheitszentrum Spork – partizipative Angebotsentwicklung zur Stärkung der Teilhabe älterer chronisch kranker Menschen im ländlichen Raum die Ergebnisse des Projektes „Gesundheitszentrum Spork“ vor, das die partizipative Entwicklung eines Gesundheitszentrums im ländlichen Raum zum Gegenstand hat. Das zweite Praxisbeispiel von Wallrafen und Stiemke fokussiert auf die Gruppe der mobilitätseingeschränkten Menschen und berichtet aus dem Projekt Senioren Scooter Sharing –digital unterstützter Service für mehr Teilhabe im Quartier.

15:30
Teilhabe für ältere Menschen mit Pflegebedarf – einige Anmerkungen zum Verständnis von Teilhabe und Umsetzungsbedingungen aus gerontologischer Perspektive
S19-24-01 

S. Kühnert; Bochum

Teilhabe für vulnerable Gruppen ist eine Forderung, die im Zusammenhang mit der Verabschiedung der UN BRK und der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes die aktuellen  politischen und fachlichen Diskurse prägt. Doch was bedeutet Teilhabe und unter welchen Voraussetzungen lässt sich für ältere pflegebedürftige Menschen mit professionellem Unterstützungsbedarf Teilhabe umsetzen?

Diese beiden Leitfragen stehen im Zentrum des Beitrages. Unter Bezugnahme auf gerontologische Theorien und empirische Forschungsergebnisse wird aufgezeigt, dass der Eintritt einer Pflegebedürftigkeit im Alter mit einer Teilhabegefährdung einhergeht und die Notwendigkeit einer stärkeren Teilhabeorientierung in den Unterstützungsangeboten  für diese Personengruppe besteht. Des Weiteren werden sich aus  daraus ergebenden  Veränderungserfordernisse  zur Umsetzung  des Anspruchs auf Teilhabe für diese Personengruppe auf strukturelle und personeller Ebene zur Diskussion vorgestellt.

15:50
Gesundheitszentrum Spork – partizipative Angebotsentwicklung zur Stärkung der Teilhabe älterer chronisch kranker Menschen im ländlichen Raum
S19-24-02 

S. Lechtenfeld, A. Kuhlmann, B. Bertermann; Dortmund

Die zunehmende Anzahl (hoch-)betagter Bürger*innen fragt neben einer alter(n)sgerechten medizinischen Behandlung weitere Maßnahmen nach, die eine selbstständige Lebensführung unterstützen und Teilhabe, Gesundheit und Lebensqualität im Alter fördern. Die Ermöglichung und Förderung der Beteiligung der Bürger*innen stellt in der Gesundheitsförderung eine Grundvoraussetzung dar, um passgenaue Angebote zu entwickeln. Ziel ist es, die Effektivität gesundheitsfördernder Angebote durch eine stärkere Einbeziehung der Zielgruppen zu steigern.

Auf Grundlage der Ergebnisse der Bedarfsanalyse zum Gesundheitsverhalten, zur Gesundheitskompetenz und zur gesundheitlichen Versorgung der Bürger*innen aus Bocholt Spork und Umgebung werden im Projekt „Gesundheitszentrum Spork: Aufbau und Verstetigung eines wirtschaftlich tragfähigen, interdisziplinären und zivilgesellschaftlichen Wertschöpfungsnetzwerkes im Quartier“ (gefördert durch: LeitmarktAgentur.NRW, Landesregierung Nordrhein-Westfalen und EFRE-NRW; Laufzeit 03/2017-03/2020) Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention partizipativ entwickelt. Vorstufen der Partizipation werden bereits realisiert und folgende Beteiligungsmöglichkeiten umgesetzt: Quartiersspiel, Interviews, schriftliche Befragung, Bürgerbegleitgremium, Bürgerveranstaltung. Ziel ist es, die Wünsche und Bedarfe zum gesundheitlichen Versorgungsangebot im ländlichen Raum zu sondieren. Auf Grundlage der Beteiligung der Bürger*innen sollen die Angebote für das Gesundheitszentrum bedarfs- und gendergerecht entwickelt werden. Dabei ergeben sich u.a. folgende Fragestellungen: Welche Anforderungen stellen Bürger*innen an die Angebote des Gesundheitszentrums? Wie kann es gelingen, (ältere) Bürger*innen in die Entwicklungsarbeiten einzubeziehen, die an klassischen Partizipationsmethoden i.d.R. nicht teilnehmen?

Die Beteiligung vulnerabler (älterer) Nutzergruppen (chronisch erkrankte / pflegebedürftige Menschen, pflegende Angehörige) an der Planung des Gesundheitszentrums, die am meisten von Angeboten profitieren können, erweist sich als Herausforderung. Es werden u.a. vorhandene ländliche Strukturen sowie ehrenamtliche Gesundheitsbegleiter*innen („peers“) als „gate keeper“ genutzt, um einen möglichst hohen Grad an Akzeptanz und Beteiligung zu erreichen. Der Einbezug der Bürger*innen ist für die Akzeptanz und die Nutzung des Gesundheitszentrums von elementarer Bedeutung, um eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung in ländlichen Gebieten sicherzustellen.

16:10
Strukturelle Bedingungen für die Umsetzung von Teilhabe für pflegebedürftige ältere Menschen
S19-24-03 

A. S. Richter; Berlin

Um die Frage nach der Umsetzung von Teilhabe am Leben in der Gesellschaft für pflegebedürftige ältere Menschen zu beantworten, sollen im Vortrag zunächst die strukturellen Rahmenbedingungen, in denen Pflege stattfindet, beleuchtet werden. Dazu gehören u.a. die Veränderungen im Verhältnis zwischen Lohn- und Reproduktionsarbeit und der damit verbundenen geschlechtlichen Arbeitsteilung ebenso wie die vor 25 Jahren eingeführte Pflegeversicherung als „fünfte Säule“ der Sozialversicherung. Die Art und Weise, wie pflegebedürftige ältere Menschen Hilfe und Unterstützung erhalten, sei es durch Angehörige oder durch Pflegekräfte ambulanter Dienste und stationärer Einrichtungen, ist durch diese Rahmenbedingungen stark geprägt, insbesondere dann, wenn sie nur über ein geringes Einkommen oder Vermögen verfügen. Im Vortrag soll dementsprechend aufgezeigt werden, inwiefern in den aktuellen rechtlichen Regelungen Teilhabeaspekte verankert sind und ob diese in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden können.

16:30
Mobilitätsnetzwerk und Senioren Scooter Sharing zur Stärkung sozialer Teilhabe im Quartier
S19-24-04 

S. Wallrafen, P. Stiemke; Mönchengladbach, Dortmund

Häufig berichten ältere Menschen, dass sie mit zunehmender Einschränkung ihrer Mobilität auch den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld verlieren und dadurch die Lebensqualität spürbar sinkt. Die Forschung zeigt jedoch auch, dass sich die subjektiv empfundene Lebensqualität durch den regelmäßigen Einsatz digitaler Technik steigern lässt und Einsamkeit verringern kann. Zudem kann sich individuell gestaltete Mobilität und die damit einhergehende Selbstständigkeit sowie Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe positiv auf die physische und psychische Gesundheit auswirken.

Hier setzt das Projekt der Sozial-Holding Mönchengladbach GmbH „Mobilitätsnetzwerk und Senioren Scooter Sharing: Ein neuer digitaler Service für mehr Mobilität und Teilhabe im Quartier“ an. In enger Abstimmung mit den zukünftigen Nutzer*innen und anderen beteiligten Akteuren wird rund um das Altenheim Hardterbroich ein Mobilitätsnetzwerk aufgebaut. Das Ziel des Projektes ist es, durch die gemeinschaftliche Nutzung von Mobilitätshilfen (E-Scootern) die Mobilität älterer bzw. körperlich eingeschränkter Menschen der Einrichtung sowie des Quartiers zu erhalten, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung dadurch zu fördern und insgesamt gesellschaftliche Teilhabe und Wohlbefinden zu stärken.

Mit Hilfe der wissenschaftlichen Begleitforschung soll v.a. untersucht werden, wie sich neue Mobilität auf das Wohlbefinden der Nutzer*innen auswirkt, wie sich diese in den Entwicklungsprozess mit einbeziehen lassen, welche Hindernisse und Hemmschwellen, aber auch begünstigende Faktoren sich bei den Nutzer*innen identifizieren lassen und – abschließend – wie sich die Ergebnisse dieses Projektes auf andere Anbieter von Altenhilfe und andere Kommunen übertragen lassen. Der Beitrag stellt die wichtigsten Elemente des Projekts sowie die zentralen Fragestellungen der Begleitforschung vor.

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